Was bedeutet Wirtschaftlichkeit eines Verfahrens?
Die Wirtschaftlichkeit eines Holzerntearbeitsverfahrens bemisst sich u.a. nach dem „Holzerntekostenfreien Erlös". Dabei werden die Verfahrenskosten in Euro je Abrechnungseinheit dem Verkaufserlös der Rohholzprodukte gegenübergestellt.
In dieser Technikplattform werden Ihnen durchschnittliche Kostensätze benannt, damit Sie sich orientieren können. Grundsätzlich muss man natürlich konkrete Angebote einholen und anhand der aktuellen Holzmarktsituation die möglichen Holzverkaufserlöse anhand der Sortenverteilung errechnen. Je höher der Brusthöhendurchmesser der zu entnehmenden Bäume ist (BHD - in 1,3m Höhe am Baum gemessen), desto günstiger sind die Holzerntekosten je Festmeter (Stück-Masse-Gesetz).
Ausführungen dazu finden Sie unter http://www.info-holzmobilisierung.org/de/vorbereitung/vorkalkulation/.
Im Bereich „Grundlagen" dieser Verfahrensplattform können Sie die Kalkulation der Verfahren nachvollziehen. Die Wirtschaftlichkeit der Arbeitsverfahren muss über einen längeren Zeitraum betrachtet werden. Pflegliche und ergonomische Maschinen kosten viel Geld - ein mittlerer Harvester zum Beispiel 400.000 €. Unternehmer, die in moderne boden- und bestandesschonende Technik investieren, sollten dies auch honoriert bekommen.
Die wichtigsten forstlichen Abrechnungseinheiten sind:
| Sägeholz | Kubikmeter (Festmeter ohne Rinde) | €/fm o.R. | |
| Industrieholz, Brennholz | Kubikmeter (Raummeter in Rinde) | €/rm i.R. | |
| Industrieholz | Gewicht (lufttrocken) | €/t (lutro) | |
| Industrieholz | Gewicht (absolut trocken) | €/t (atro) | |
| Hackschnitzel | Schüttraummeter (Hackschnitzel) | €/srm |
Je nach Verkaufsort (frei Waldstrasse oder frei Werk) wird den Holzerntekosten auch der Transport der Rohholzsortimente zum Werk hinzugerechnet. Die Differenz zwischen den Holzerntekosten und dem Verkaufserlös für das Rohholz ergibt den holzerntekostenfreien Erlös. Ist dieser negativ, arbeitet der Waldbesitzer im Defizit. Das kann vorkommen, wenn die Holzpreise sehr niedrig sind, es sich um einen schwachen oder geschädigten Bestand mit einem hohen Industrieholzanteil (Industrieholz hat niedrigere Verkaufserlöse als Sägeholz) handelt oder die Holzerntemaßnahme aufgrund der Kompliziertheit der Fläche (sehr steil, weite Rückeentfernungen) überdurchschnittlich kostenaufwendig ist (z.B. Seilkraneinsatz). In diesem Falle muss überlegt werden, ob die Maßnahme durch ein Hinausschieben um 2-3 Jahre lukrativer wird (Holzdimension nimmt zu, Holzmarkt wird eventuell besser). Dabei ist allerdings zu beachten, welche waldbaulichen Folgen die Verzögerung haben kann (Pflegeeffekt). Manchmal hilft schon eine Kooperation mit forstlichen Nachbarn, um die Holzerntekosten durch Zusammenlegen von Maßnahmen kostengünstiger zu gestalten (Blockbildung). Fragen Sie in jedem Falle eine fachlich qualifizierte Person Ihrer Wahl!
Ist der holzerntekostenfreie Erlös positiv, kann man errechnen, inwiefern die allgemeinen (z.B. Verwaltungskosten) und Kosten der Walderneuerung (Pflanzung, Zaunbau, usw.) mit erwirtschaftet werden. Das ist vor allem für die Forstbetriebe von Bedeutung, wobei die naturräumliche Ausstattung eine wesentliche Rolle spielt.
Die Wirtschaftlichkeit wird durch folgende Parameter beeinflusst:
- der Stärke des Eingriffs Wie viel Holz hole ich je Hektar runter?
- der genutzten Technologie Was kostet das Arbeitsverfahren?
- der Gesamtgröße der Maßnahme Wie groß ist der Gesamtumfang?
- der Geländebeschaffenheit Wie kompliziert sind die Geländebedingungen?
- die Holzqualität und -dimension Wie wertvoll ist das produzierte Rohholz?
Weitere Informationen finden Sie auf der im KWF-Shop erhältlichen DVD „Holzernteverfahren" www.kwf-online.de oder speziell für die Holzernteverfahren in Hanglagen auf der DVD „Holzernte in steilen und mittelsteilen Hanglagen", die über den Fachbereich Forstwirtschaft der Fachhochschule Erfurt www.fh-erfurt.de/fo/ bezogen werden kann.
